Schlagwort: Romanauszug

*Besonderes* – Exklusive Voschau auf meinen neuen Roman #Feder

Hallo du,

eines meiner nächsten Bücher wird ein Urban-Fantasy Roman. Dieser läuft momentan noch unter dem Decknamen #Feder. Da ich vor kurzem die Rohfassung abschließen konnte und nun in den Überarbeitungsrunden stecke, ist das doch der perfekte Zeitpunkt dafür.

Parallel zu diesem Roman arbeite ich auch noch an einer Kurzgeschichtensammlung, die vielleicht sogar noch vor #Feder das Licht der Welt erblickt. Keine Angst, auch dazu kommen bald mehr Infos. Aber jetzt wünsche ich dir erst einmal viel Spaß mit diesem Auszug:

 

Längst waren ihre Hände und Unterarme vom Dickicht zerkratzt, Haarsträhnen klebten feucht an ihrem Gesicht und die Füße taten ihr weh. Eigentlich ohne Grund lief sie mitten in der Nacht im Freien herum. Doch sie wollte nicht über das Wieso und Warum nachdenken, das war doch gerade das Problem. Jeder ließ sich nur durch Denken und berechnendes Handeln durch den Tag ziehen. Nein heute würde sie nicht denken, sondern sich von Ihrem Gefühl leiten lassen. Die Welt hier bestand aus Schemen und Schatten, Gerüchen. Ihre Unterlippe zitterte vor Aufregung und Freude, vielleicht auch ein wenig vor Angst. Eine Stunde, vielleicht auch zwei tastete sie sich so durch den Wald. Das Verlangen sich hinzusetzen und die schmerzenden Beine zu entlasten wurde immer größer.

Schwerfällig torkelte sie unter einen Baum und kauerte sich am Stamm zusammen. Sie aß ihr Brot und trank etwas. Nach einer unbestimmten Zeit schlich sie weiter. Die Erschöpfung hing wie schwere Regentropfen an ihr, doch der Trampelpfad nahm und nahm kein Ende. Als sich endlich die Bäume zurückzogen und den Blick auf den Hügel freigaben stieß Lunita einen Seufzer aus. Am höchsten Punkt des Hügels thronte der Felsen, so groß wie ein zweijähriger Baum. Die Spalten im Gestein waren mit Moos bewachsen, an manchen Stellen schimmerten bläuliche Gesteinsadern hervor. Jetzt, im Licht des Mondes strahlte dieser Ort eine unglaubliche Atmosphäre aus. Sie kletterte den Hügel hinauf und bestieg den Felsen. Freiheit.

Zum ersten Mal bekam sie einen Eindruck davon, was Menschen mit diesem Wort auszudrücken zu versuchen. Ihre Fingerspitzen folgten der bläulichen Spur im Gestein, während ihr Blick über die Landschaft vor ihr glitt. Sie erahnte die fernen Hügel, spitzen Tannen und Felder mehr als dass sie sie sah. Einen Großteil projizierte sie aus dem Gedächtnis auf die verschwommenen Umrisse. Sie rutschte ein Stück am Felsen hinunter und lies sich in eine, natürlich entstandene Aussparung im Felsen sinken. Nun konnte sie sich mit Rücken und Kopf am Fels anlehnen. Im Augenwinkel sah sie die blaue Maserung des Gesteins, die unnatürlich tiefblau leuchtet.

Sie drehte sich so gut es ging um und legte die Hände auf den Stein, schirmte das spärliche Licht von außen ab und spähte durch den kleinen Spalt zwischen Ihren Fingern. Tatsächlich! Das Gestein leuchtete von sich aus in einem satten kobaltblau. Sie hatte schon von diesen fluoreszierenden Materialen gehört. Nach ein paar Sekunden spürte sie wie sich der Stein von innen heraus erwärmte. Verwundert legte Lunita eine Hand auf den Stein. Er war tatsächlich warm, er wurde sogar richtig heiß. Die bläulichen Gesteinsadern traten immer deutlicher hervor, breiteten sich aus und teilten sich mehrmals. Geschickt sponnen die Lichtstrahlen ein Netz das sich über den gesamten Felsen zog. Das Gestein erzitterte und wurde schließlich ganz von der Helligkeit verschlungen. Sie spürte keine Furcht, es war sogar eher ein angenehmes Gefühl. Das Licht kam ihr vor wie ein alter Bekannter.