Schlagwort: Schreibwettbewerb

*Kurzgeschichte* – Engelskinder (Schreibwettbewerb von Books on Demand)

Engelskinder – symbolisch

 

Hallo du,

auch dieses Jahr nehme ich am Schreibwettbewerb von Books on Demand teil. Ich möchte dir heute meine erste endgültige Fassung zeigen. Dann habe ich noch die Fassung, die ich dann tatsächlich eingereicht habe.

Ich musst meinen, eigentlich fertigen Text nochmals kürzen, da es bei dem Schreibwettbewerb eine Begrenzung auf 2.000 Zeichen gibt. Überraschend für mich war es hart, sowohl auf eine (enge) Deadline hinzuarbeiten als auch nur so wenige Worte verwenden zu dürfen. Vielleicht hilft dir der Vergleich dieser beiden Geschichten so viel, wie mir das Schreiben der beiden geholfen hat (;

PS: Diese Geschichte bekommt in naher Zukunft noch eine „Verlängerung“ sprich ein anderes Ende.

 

Engelskinder (ungekürztes Original)

Die weiße Masse unter ihren Füßen war matschig. Sie sank nur ein paar Millimeter in die Wolke ein. Bald würde die Wolke abregnen, aber sie hatte nichts davon. Sie lief auf der falschen Seite herum. Erst wenn sie ihre Flügel bekam, konnte sie den Regen von unten nach oben betrachten. Aber das war nur ein Zusatz. Sie umklammerte Maros Hand fester. Gleich musste sie ihn loslassen. Ein paar Meter und sie standen vor dem Berg aus Wolken. Maro drehte sich zu ihr. Er flüsterte.

„Du schaffst das schon, Celia.“

Sie nickte. Er lockerte ihre Hand, mit der sie ihn noch immer fest umklammert hielt. Er zwinkerte und sie ließ ihn langsam los.

Sie dufte nicht zurücksehen. Und nichts wollte sie mehr. Die erste Regel lautete, dass jedes Kind allein gehen muss. Maro war irgendwo hinter ihr, zusammen mit den anderen. Sie trat so nahe an den Wolkenberg, dass sie spürte, wie ihre Nase in den Wolken versank. Sie begann zu klettern. Es war anstrengend, denn die Wolke war von Hügeln und Tälern übersäht. Die Zweite Regel lautete, dass sie nicht ruhen durfte sobald sie den Aufstieg begonnen hatte. Die Sonne ging unter und ließ sie im Halbdunkeln zurück. Als die Sterne schon lange am Himmel standen erreichte sie die Kante und zog sich keuchend nach oben. Sie atmete tief durch und sagte mit fester Stimme:

„Ich bin hier, um meine Prüfung abzulegen.“

Es war niemand zu sehen und trotzdem antwortete ihr eine sanfte Stimme.

„Dann erzähle mir, warum du deine Flügel erhalten möchtest.“

Sie stutzte, da sie nicht mit einer so einfachen Frage gerechnet hatte. Sie überlegte und entschied sich dafür, noch einmal nachzufragen.

„Ist das wirklich meine einzige Frage? Und darf ich darauf mehrere Dinge antworten? Es gibt so viele Gründe, weshalb ich meine Flügel brauche.“

„Ja das ist deine Frage. Wenn es für dich mehrere Antworten gibt, erzähle mir bitte alle.“

„Ich möchte die Wolke verlassen können. Ich möchte andere Wolkenlandschaften und Engelkinder kennenlernen. Arbeiten möchte ich auch unbedingt. So wie meine Tante, die für die Wolkenfarben zuständig ist.“

„Ist das alles?“

Sie wurde ein bisschen rot, nickte aber.

„Dann geh, ich kann dir deine Flügel nicht geben.“

„Was? Aber warum?“

Ihre Augen füllten sich mit Tränen und sie sackte zusammen. Die dritte Regel lautete, dass jedes Engelkind reinen Herzens und ehrlich sein musste.

 

Engelskinder (Version für den Wettbewerb)

Bald würde die Wolke abregnen, aber sie hatte nichts davon. Sie lief auf der falschen Seite herum. Erst wenn sie ihre Flügel bekam, konnte sie den Regen von unten nach oben betrachten. Sie umklammerte Maros Hand fester. Gleich musste sie ihn loslassen. Ein paar Meter und sie standen vor dem Berg aus Wolken. Maro drehte sich zu ihr.

Er flüsterte: „Du schaffst das, Celia.“

Sie nickte. Er lockerte ihre Hand, mit der sie ihn noch immer fest umklammert hielt. Celia ließ ihn los.

Sie dufte nicht zurücksehen und nichts wollte sie mehr. Die erste Regel lautete, dass jedes Kind allein gehen musste. Sie trat so nahe an den Wolkenberg, dass sie die Feuchtigkeit der Wolke einatmen konnte. Sie begann zu klettern. Die zweite Regel lautete, dass jedes Kind den Aufstieg bis Tagesanbruch schaffen musste. Die Sterne fingen an zu verblassen, als sie die Spitze erreichte. Sie atmete tief durch und sagte:

„Ich bin hier, um meine Prüfung abzulegen.“

Es war niemand zu sehen. Trotzdem antwortete ihr eine Stimme.

„Dann erzähle mir, warum du deine Flügel erhalten möchtest.“

Celia stutzte, da sie nicht mit einer so einfachen Frage gerechnet hatte.

„Ist das die einzige Frage?“

„Ja. Wenn es für dich mehrere Antworten gibt, erzähle mir bitte alle.“

„Ich möchte meine Heimatwolke verlassen.  Dann kann ich andere Wolkenlandschaften und Engelkinder kennenlernen. Arbeiten möchte ich auch unbedingt. So wie meine Tante, die für die Wolkenfarben zuständig ist.“

„Ist das alles?“

Sie wurde ein bisschen rot, nickte aber.

„Geh, ich kann dir deine Flügel nicht geben.“

„Was?“

Celias Augen füllten sich mit Tränen und sie sackte zusammen. Die dritte Regel lautete, dass jedes Engelkind reinen Herzens und ehrlich sein musste.

*Kurzgeschichte* – Der Gestaltwandler – verschlingender Wald (#myshortstory)

Eine Katze im Wald

 

Hallo du,

 

heute öffne ich für dich meine Schatzkiste. Vor ein paar Wochen hat Books on Demand einen Schreibwettbewerb (#myshortstory) veranstaltet.

Meine Kurzgeschichte hat es nicht in die Endauswahl geschafft, aber ich mag sie serh und möchte sie dir zeigen:

 

Der Gestaltwandler – verschlingender Wald

 

Ein Junge, vielleicht ein Jahr alt, lief in den Wald. Die Sicht reichte keine fünf Meter, dann war da nur noch Nebel. Mit einer Hand umklammerte er die Schwanzspitze einer schwarzen Katze. Sie führte ihn immer tiefer. Alle paar Minuten hielten sie an und die Katze zeigte ihm einen glänzenden Käfer oder einen besonders krumm gewachsenen Baum.

In einem Kilometer Luftlinie hallten Rufe durch ein Haus. Tränen flossen.

Die Katze und der Junge erreichten eine Hütte. Efeu und Ranken hielten die Holzplanken zusammen. Schwarzer Rauch wallte auf, als sich die Katze in einen jungen Mann verwandelte. Er zog sich hastig an. Seine Augen hatten die bernsteinerne Farbe der Katzenaugen behalten, auch sein Haar war noch schwarz. Der kleine Junge starrte verdutzt.

„Katze?“

„Die kommt später wieder.“

Er steckte den Jungen ins Bett und gab ihm ein Bilderbuch in die Hände. Die Tür schloss er von außen mit einem Riegel. Gehüllt in weißen Rauch verwandelte er sich zurück in die Katze. In leichtem Trab machte er sich auf den Weg, das nächste Kind zu holen. Ein Mädchen, noch jünger. Es quickte  vergnügt als ihnen ein Eichhörnchen über den Weg lief. Er setzte auch sie auf dem Bett ab. Beide bekamen Wasser und Brei. Noch dreimal lief er und holte Kinder.

In einem Kilometer Luftlinie heulten Sirenen. Blaulicht zerstörte das weiche Licht des Abends.

Alle fünf passten gerade so auf das Bett also schlief er auf dem Teppich. Immer wenn eines der Kinder weinte tröstete er es in seiner Katzengestalt. Mit leichtem pfotendruck massierte er ihnen die Bäuche und schnurrte sie wieder in den Schlaf. Im Morgengrauen brachte er sie nach draußen. Er setzte sie in einem kleinen Kreis um sich herum und verwandelte sich in weißem Rauch. Er fuhr die Krallen aus und hasste sich. Jedes Kind bekam einen tiefen Kratzer auf dem linken Arm. Tränen fielen in schnellem Takt nur um im Moss zu versickerten. Er leckte von jedem Arm einen Tropfen Blut auf. In dem Brei, den er ihnen als Frühstück machte befand sich etwas von seinem Speichel.

„Mama?“

„Gleich. Ich bringe euch zurück.“

 

Zwanzig Jahre später

 

In einem Kilometer Luftlinie holzten sie den Waldrand ab. Dieselgeruch vertrieb den Frieden.

Sechs Gestaltwandler in der Form der Tiere des Waldes und der Stadt hielten die Nasen gegen den Wind. Eine schwarze Katze war ihr Anführer. Sie verwandelten sich in schwarzem Rauch. Tiefe Ringe unter den Augen und steife Rücken waren das einzige, was ihnen das Leben als Menschen brachte. Aber es war ihre einzige Chance. Sie lebten nur, um zu schleimen und zu manipulieren. Sie schleusten sich in hohe politische Posten ein um für diesen Tag bewaffnet zu sein.

„Seid ihr bereit?“

„Ja. Wir sind bereit.

Gemeinsam verließen sie den Schutz des Waldes und mischten sich unter die tausenden von Menschen die gekommen waren, um die Abholzung zu verhindern. Sie reckten Schilder und Hände in die Luft.  Ihre Stimmen schrien voller Hoffnung den dröhnenden Motoren entgegen. Reporter, Journalisten alle versuchten die grellsten Informationen in ihre technischen Geräte zu saugen. Der Tag schritt voran und die Masse an Menschen wurde immer lichter.

Tage später kam die Nachricht. Ein Gericht hatte verboten, den Wald in den nächsten Jahren abzuholzen.

Ein bisschen mehr Zeit, für viele Stunden ihres Lebens. Fünf Gestaltwandler gingen im Wald ihrer Wege und eine schwarze Katze verschmolz mit der anbrechenden Nacht.